Keine halben Sachen – Ganztagsschulen Drucken E-Mail
Von Yvonne Görmar   
Mittwoch, 14. Dezember 2005

Die Zeit der Vormittagsschulen ist vorbei: An immer mehr Schulen in Baden-Württemberg wird eine Betreuung für den ganzen Tag angeboten. Hing dieser Bildungsform noch bis vor wenigen Jahren das Image einer „Kinderverwahranstalt“ an, haben die Ergebnisse der PISA-Studien sowie erfolgreiche Privatschulen dazu beigetragen, dass die Ganztagsbetreuung salonfähig geworden ist – in den Bundesländern gibt es vielfältige Programme zur konzeptionellen und finanziellen Förderung.

Was sind eigentlich die Vorteile einer ganztägigen Schule? Mehrere Aspekts spielen hier eine Rolle: Zum einen der Betreuungsbedarf der Eltern und der Trend zur Kleinfamilie mit geringem Beziehungsgeflecht, zum anderen die geänderten Anforderungen an Schüler und Schulabgänger sowie – nicht zu vergessen – eine Änderung der Unterrichtsarbeit zum Positiven. Die Schule als soziales Umfeld wird für Kinder immer wichtiger. Sie müssen lernen, in vielfältigen Beziehungen zu leben, sich als Teil einer Gruppe zu verstehen und doch ein selbstständiges Individuum zu bleiben.

Schulen in freier Trägerschaft haben das Konzept der Ganztagsschule entwickelt. Die Privatschulen haben schon früh erkannt, dass das Miteinander von Schule und Freizeit Kindern einen entscheidenden Vorsprung bietet. Dabei kommt es vor allem auf die pädagogische Qualität der Nachmittagsbetreuung an. Es reicht eben nicht, die Schüler nur zu „verwahren“ – ausgebildete Fachkräfte wie Sozialpädagogen, Erzieher oder Lehrer stellen sicher, dass hohe Standards verwirklicht werden und Schule den Anforderungen einer Wissensgesellschaft gerecht wird.

Eine Ganztagsschule muss also mehr sein als nur eine ganztägige Betreuung – dies ist ein Nebeneffekt, der aber gerade für allein erziehende Eltern und berufstätige Mütter von großer Bedeutung ist. Letztendlich profitiert davon auch die Wirtschaft: Unmittelbar dadurch, dass qualifizierte Mitarbeiter nicht wegen unzureichender Kinderbetreuung zu Hause bleiben müssen, mittelbar davon, dass motivierte und gut ausgebildete Schulabgänger auf den Ausbildungsmarkt strömen.