| Unsere Kinder leben in einer „ZUVIELISATION“ |
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| Von Pressemitteilungen | |
| Donnerstag, 14. April 2011 | |
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Zweiter Vortrag aus der Reihe „Bildung, Erziehung und Neurowissenschaften" am Pädagogium Baden-Baden
Für den 05. April 2011 hatte das Pädagogium Baden-Baden zum zweiten Vortrag seiner diesjährigen Veranstaltungsreihe „Bildung, Erziehung und Neurowissenschaften" eingeladen. In der gut besuchten Aula referierte Frau Elke Winter, Mitarbeiterin am Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen in Ulm, zum Thema „Hirnforschung und Schule?! Na klar!" Die Zuhörer, bestehend aus Lehrern, Eltern, Schülern und weiteren interessierten Personen, erlebten einen interessanten und abwechslungsreichen Vortrag der auch immer wieder zum „mitmachen" einlud: So wurde gleich zu Beginn mit Hilfe einiger kleiner Experimente und Demonstrationen vorgeführt, wie der Mensch lernt, wie er die Reize aus seiner (Lern-)Umgebung aufnimmt und dabei immer gleich nach Strukturen und bereits bekannten Inhalten sucht. „Dagegen können Sie sich gar nicht wehren, ihr Kopf macht das ganz automatisch", so die Referentin bei der Präsentation der Zahlenreihe „2412199331121986" und der Aufforderung, sich diese innerhalb von zehn Sekunden zu merken. Dabei ist das problemlos möglich, wenn sie denn anders dargestellt wäre, z.B. so: 24.12.1993 und 31.12.1986! „Sie sehen, als Lehrer und Eltern kommt es ganz wesentlich darauf an, wie einsichtig und gut sie etwas darstellen, damit Kinder und Jugendliche damit auch etwas anfangen können, so die Rednerin. Weiter zeigte das „Marshmellow-Experiment" die Bedeutung sogenannter exekutiver Funktionen (=innere Kontrolle, Selbstregulation) für Lern- und Bildungsprozesse: 4-jährigen Kindern wurde ein Marshmellow mit dem Hinweis gegeben, dass sie noch einen weiteren bekämen, wenn sie diesen Ersten nicht aufessen. Anschließend ließ man die Kinder mit ihrer Süßigkeit einige Minuten alleine. Ergebnis der Langzeitstudie: Diejenigen Kinder, die der Süßigkeit schon im Alter von vier Jahren tatsächlich widerstehen konnten (und als Belohnung dann auch noch einen Zweiten erhielten), hatten in den folgenden Jahren bessere schulische Leistungen und waren wesentlich erfolgreicher im Berufsleben. Ähnliche Studien kommen zu gleichen Ergebnissen. Die „innere Kontrolle" und „Selbstregulation" zu trainieren, ist damit ein wesentlicher Erfolgsfaktor für später. Das ist keine unbedingt neu Erkenntnis, aber das dies gerade heute immer mehr von Bedeutung ist, stellen vor allem Eltern und Schule vermehrt fest: Fehlende innere Kontrolle und Selbstregulation sorgen dafür, dass immer weniger Schüler in der Lage sind für eine längere Zeitspanne dem Unterricht konzentriert und aufmerksam zu folgen. Hier fällt das Stichwort der Referentin: „Wir leben in einer Zuvielisation!" Moderne Medien überfluten schon die Kleinsten, die bereits im Grundschulalter eine SMS in rasender Geschwindigkeit in ihr Handy eintippen. Jederzeit erreichbar sein, alles an Angeboten nutzen zu können und immer und zu jeder passenden (und unpassenden) Zeit die richtige Musik in der Tasche: „Das ist eine ständige Reizüberflutung, an die ich mich gewöhne und die alles, außer die exekutiven Funktionen trainiert", so die Referentin. Im Anschluss an den Vortrag hatte das Publikum noch die Möglichkeit Fragen zu stellen, was an diesem Abend auch noch entsprechend genutzt wurde. Informationen zu den weiteren Vorträgen unter www.paeda.net .
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