Unser Mitglied SRH Schulen Neckargemünd: Vom Schüler- zum Mischpult: Ehemaliger SRH Stephen- Hawking-Schüler im Interview

Juni 2026

„Hier sieht es noch genauso aus wie früher“, staunt Lars, als er das Level 4 zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren wieder betritt. An seine Zeit an der SHS erinnert sich der heute 28Jährige gern zurück—auch wenn ihm der Umzug ins Internat im Jahr 2012 zunächst nicht leichtfiel, schließlich bedeutete dieser einen großen Einschnitt in seinem Leben. Zum ersten Mal lebte er unter der Woche fern von zuhause im Rems-Murr-Kreis und musste sich an den Alltag im Internat erst gewöhnen. Besonders die Trennung von seinem Zwillingsbruder fiel ihm anfangs schwer. Bis heute verbindet die beiden ein enges Verhältnis: „Wir denken manchmal sogar das Gleiche“, erzählen sie. Trotz des anfänglichen Heimwehs fand Lars jedoch schnell Anschluss, schloss enge Freundschaften und verbrachte zunehmend auch die Wochenenden im idyllischen Neckargemünd.

Rückblickend betrachtet er seine Schulzeit als prägend. Denn neben dem Erwerb zunächst seines Förderschul- und anschließend seines Hauptschulabschlusses bot ihm die SHS vielfältige Möglichkeiten außerhalb des Unterrichts, die ihn nachhaltig beeinflussten. Als junger Mensch mit Behinderung fand er dort ein Umfeld, das ihn darin bestärkte, seine Stärken zu entdecken und selbstbewusst eigene Wege zu gehen. Einige Freundschaften aus dieser Zeit bestehen bis heute. „Damals habe ich vieles als selbstverständlich angesehen“, sagt Lars. Erst Jahre später sei ihm bewusst geworden, welche Chancen ihm die SHS tatsächlich eröffnet habe.

Nicht zu unterschätzen ist dabei die Rolle des „Level 4“. Vor seinem 16. Lebensjahr, und damit bevor er an Veranstaltungen im Club teilnehmen durfte, sei er häufig voller Neugier an der großen Tür zum Club vorbeigetigert: „Ich habe mich immer gefragt, was wohl dort drin passiert“, erinnert er sich lachend. Als er jedoch endlich alt genug war, musste er feststellen, dass das gar nicht so viel war. Dies wollte er kurzerhand ändern und einfach selbst Veranstaltungen auf die Beine stellen. Gemeinsam mit dem für den Club verantwortlichen Mitarbeiter entwickelte er Konzepte für Themenabende, gestaltete Flyer, stellte Musikprogramme zusammen und stand schließlich selbst hinter dem Mischpult. Aus ersten vorsichtigen Versuchen wurden regelmäßige Veranstaltungen, die immer mehr Besucherinnen und Besucher anzogen. „Hier konnte ich mich frei entfalten“, erinnert sich Lars.

Genau diese Erfahrungen wirkten weit über die Schulzeit hinaus. Im „Level 4“ entdeckte Lars nicht nur seine Leidenschaft für das Auflegen, sondern gewann auch Selbstvertrauen und die Gewissheit, eigene Projekte erfolgreich umsetzen zu können. Fähigkeiten, die ihn bis heute begleiten.

Nach seiner Schulzeit absolvierte Lars eine Ausbildung im Bereich Logistik und arbeitete an-schließend mehrere Jahre in einem Unternehmen des Fassadenbaus. Die Musik blieb jedoch ein fester Bestandteil seines Lebens. Da auch sein Bruder Nils zunehmend Interesse am DJing entwickelt hatte, beschlossen die Brüder im Jahr 2016, ihre Leidenschaft von nun an gemeinsam weiterzuverfolgen. Was einst im „Level 4“ seinen Anfang genommen hatte, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einem erfolgreichen Nebengewerbe. Seit 2019 treten sie unter dem Namen „PlusTwo“ bei Hochzeiten, Vereinsfesten, Stadtveranstaltungen und anderen Feiern auf. Während Lars dabei vor allem für die bekannten Mitsing-Hits zuständig ist, bringt Nils am liebsten seine Begeisterung für elektronische Musik ein—allerdings orientieren sich die beiden bei ihren Sets auch stets an dem, was sich das Publikum wünscht und was gut ankommt.

Besonders wichtig ist den beiden eine enge Begleitung ihrer Kundinnen und Kunden. Vor allem bei Hochzeiten nehmen sie sich viel Zeit für die Vorbereitung, um die Wünsche des Brautpaares kennenzulernen und den Tag individuell zu gestalten. „Wir möchten den Leuten eine echte Erfahrung bieten“, so Nils—eine Erfahrung, die sich im heimischen Rems-Murr-Kreis schon herumgesprochen. hat. Denn den Großteil ihrer Aufträge erhalten die beiden über persönliche Empfehlungen.

Für Lars ist die Musik weit mehr als ein Hobby. Auch wenn die gemeinsamen Auftritte oft sehr anstrengend für ihn sind, haben sie ihm geholfen, Selbstvertrauen zu entwickeln und die eigenen Stärken in den Blick zu nehmen. „Ich habe mich lange auf die Dinge konzentriert, die ich nicht kann, statt auf die Dinge, die ich kann“, sagt er heute. Umso wichtiger sei es, jungen Menschen Chancen zu eröffnen, ihre Talente zu entdecken und auszubauen.

Gerade deshalb blickt er mit großer Dankbarkeit auf seine Schulzeit zurück. Viele Angebote und Entwicklungsmöglichkeiten habe er erst im Nachhinein richtig zu schätzen gelernt. Heute sagt er sogar, dass er die SHS rückblickend zu früh verlassen habe. Die Schule sei für ihn ein entscheidendes Sprungbrett ins Erwachsenenleben gewesen. „Hier wird Kindern und Jugendlichen mit Handicap eine echte Chance gegeben“, sagt er. „Ich schicke hier jeden her.“ Besonders die Verbindung aus individueller Förderung, moderner Ausstattung und den engagierten Mitarbeitenden habe ihn nachhaltig geprägt. Für ihn steht fest: Die SHS hat einen wichtigen Anteil da-ran, dass er heute seinen eigenen Weg gehen kann – beruflich wie privat.

 

 

 

 

 

 

Fotohinweis:

Foto 1: Zurück zu den Wurzeln: Lars (l.) und Nils (r.) vor dem Level 4.
Foto 2: Lars zeigt seinem Zwillingsbruder Nils das Mischpult, auf dem er früher auflegte.
Foto 3: „Das habe ich designt!“ – Lars entdeckt ein altes, von ihm designtes Poster an der Wand.

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